Thrombosestrümpfe anziehen: Umfassende Hilfe & Anleitung

Thrombosestrümpfe anziehen: Umfassende Hilfe & Anleitung

Das Anziehen von Thrombosestrümpfen, korrekt medizinische Kompressionsstrümpfe genannt, kann eine Herausforderung sein. Doch ihre korrekte Anwendung ist entscheidend für den Therapieerfolg. Dieser Ratgeber bietet Ihnen umfassende Hilfe, erklärt die richtige Technik, nennt praktische Hilfsmittel und klärt über die wichtigsten Fakten zu Indikation, Wirkweise und Handhabung auf.

Was sind medizinische Kompressionsstrümpfe?

Medizinische Kompressionsstrümpfe sind medizinische Hilfsmittel, die vom Arzt verordnet werden. Sie üben einen genau dosierten, von außen wirkenden Druck auf das Bein aus. Dieser Druck ist am Fußknöchel (Fessel) am stärksten und nimmt kontinuierlich zur Leiste hin ab (abgestufte Kompression). Durch diesen Druckverlauf unterstützen sie die Venen und die Muskelpumpe dabei, das Blut effizienter zum Herzen zurückzutransportieren. Sie werden nicht nur zur Behandlung, sondern auch zur Vorbeugung (Thromboseprophylaxe) eingesetzt.

Wann werden Thrombosestrümpfe verschrieben? (Indikationen)

Kompressionsstrümpfe sind für Patienten aller Altersgruppen eine wichtige Therapieoption, sofern eine medizinische Indikation vorliegt. Typische Einsatzgebiete sind:

  • Vorbeugung einer Thrombose (Thromboseprophylaxe): Nach Operationen, während der Schwangerschaft, bei langen Flugreisen (Reisethrombose) oder bei Berufen mit langem Stehen/Sitzen.
  • Behandlung von Venenerkrankungen: Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI), Krampfadern (Varikose), Venenentzündungen (Thrombophlebitis).
  • Therapie nach einer Thrombose: Zur Verhinderung des Postthrombotischen Syndroms (PTS) – einer häufigen Spätfolge nach tiefer Beinvenenthrombose. Wichtig: Bei Verdacht auf eine akute, tiefe Beinvenenthrombose (TVT) dürfen Strümpfe niemals ohne ärztliche Anweisung angelegt werden, da die Kompression ein Gerinnsel lösen könnte.
  • Lymphödeme: Zur Entstauung bei Störungen des Lymphabflusses.
  • Schwere- und Spannungsgefühle in den Beinen.

Wann dürfen sie nicht getragen werden? (Kontraindikationen)

Trotz ihrer Wirksamkeit sind Kompressionsstrümpfe nicht immer geeignet. Absolute Kontraindikationen sind:

  • Fortgeschrittene arterielle Verschlusskrankheit (p AVK) Stadium III/IV: Der von außen ausgeübte Druck könnte die bereits minderdurchblutete Extremität weiter schädigen.
  • Schwere Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Der plötzlich erhöhte Rückfluss von Blut zum Herzen könnte es überlasten.
  • Schwere periphere Neuropathien mit Gefühlsstörungen.
  • Bestimmte Hauterkrankungen oder akute Infektionen (z.B. Ekzeme, Phlegmone) im betroffenen Bereich.
  • Bekannte Allergie gegen das Material der Strümpfe.

Ihr Arzt wird vor der Verordnung eine gründliche Untersuchung durchführen, um Risiken auszuschließen.

Kompressionsklassen: Welcher Druck ist der richtige?

Medizinische Kompressionsstrümpfe gibt es in genormten Kompressionsklassen (CCL). Welche Klasse benötigt wird, entscheidet der Arzt basierend auf der Diagnose.

  • Klasse 1 (CCL 1, 18-21 mm Hg): Leichte Kompression. Bei leichten Krampfadern, müden, schweren Beinen, zur Reiseprophylaxe.
  • Klasse 2 (CCL 2, 23-32 mm Hg): Mittlere Kompression. Bei ausgeprägten Krampfadern, nach abgeheilter Thrombose, zur Verhinderung des PTS, bei mittelschweren Lymphödemen.
  • Klasse 3 (CCL 3, 34-46 mm Hg): Starke Kompression. Bei schwerer chronisch-venöser Insuffizienz mit Ödemen, nach ausgeprägter Thrombose, bei starken Lymphödemen.
  • Klasse 4 (CCL 4, >49 mm Hg): Sehr starke Kompression. Bei schwersten Lymphödemen und ausgeprägten trophischen Störungen.

Hinweis: Stützstrumpfhosen oder -strümpfe aus dem Kaufhaus üben einen deutlich geringeren, nicht genormten Druck aus und sind keine medizinischen Hilfsmittel. Sie eignen sich lediglich zur Linderung leichter Beschwerden bei gesunden Venen.

Die richtige Passform: Warum Vermessung so wichtig ist

Damit der Strumpf wirken kann, muss er perfekt sitzen. Deshalb werden medizinische Kompressionsstrümpfe immer individuell vermessen – idealerweise morgens, wenn die Beine noch nicht geschwollen sind. Ein Fachpersonal im Sanitätshaus misst an mehreren Stellen des Beines (z.B. Knöchelumfang, Wadenumfang, Oberschenkelumfang, Beinlänge). Nur so kann der abgestufte Druckverlauf exakt umgesetzt werden. Ein zu weiter Strumpf wirkt nicht, ein zu enger kann einschneiden und schaden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Thrombosestrümpfe richtig anziehen

Die korrekte Technik schont das Material, erleichtert das Anziehen und gewährleistet die Wirkung.

  1. Vorbereitung: Ziehen Sie die Strümpfe morgens an, bevor Sie aufstehen oder nachdem Sie die Beine einige Minuten hochgelagert haben. Achten Sie auf trockene, ungecremte Haut. Entfernen Sie Ringe und scharfen Schmuck, um das Material nicht zu beschädigen.
  2. Strumpf vorbereiten: Stülpen Sie den oberen Teil des Strumpfes bis zur Ferse komplett um. Sie halten nun eine Art „Tasche“ für die Ferse in der Hand.
  3. Fußteil anziehen: Setzen Sie den umgestülpten Strumpf über die Zehen und die Ferse. Ziehen Sie ihn sorgfältig über die Ferse, bis diese korrekt sitzt. Die Fersenpartie des Strumpfes muss exakt an Ihrer Ferse anliegen.
  4. Strumpf hochziehen: Greifen Sie in den umgestülpten Bund und ziehen Sie den Strumpf langsam und gleichmäßig über das Bein. Vermeiden Sie es, den Strumpf am Rand hochzuziehen oder zu „rollen“. Ziehen Sie ihn stattdessen glatt und faltenfrei über Wade und Knie (bei Kniestrümpfen) bzw. Oberschenkel (bei Oberschenkelstrümpfen oder Strumpfhosen).
  5. Kontrolle: Achten Sie darauf, dass der Strumpf faltenfrei anliegt und nicht einschneidet. Bei Oberschenkelstrümpfen sollte die Silikon- oder Gummibandage im Schritt gut haften, ohne zu scheuern.

Goldene Regel: Nehmen Sie sich Zeit. Ruckartiges Ziehen kann das Material ausleiern oder zerreißen.

Praktische Anziehhilfen: Erleichterung für jeden Tag

Besonders für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit, Kraft oder großen Händen sind Anziehhilfen unverzichtbar. Sie schützen zudem die empfindlichen Materialien.

  • Gleitsocke oder Gleithandschuh: Aus seidigem Material (oft Nylon). Wird über den Fuß gezogen, bevor der Kompressionsstrumpf darüber gezogen wird. Reduziert die Reibung erheblich.
  • Anziehhandschuhe: Spezielle Handschuhe mit griffiger Oberfläche, die ein besseres Greifen des Strumpfes ermöglichen.
  • Strap/Strap-Band: Ein langes Band, das durch den umgestülpten Bund gefädelt wird. Durch Ziehen an den Enden des Bandes lässt sich der Strumpf mühelos hochziehen.
  • Rahmen (Schieberahmen): Ein stabiler Rahmen, über den der Strumpf zunächst gezogen wird. Der Fuß wird dann in den Rahmen gesetzt, und der Strumpf kann mit Hilfe von seitlichen Griffen leicht über das Bein gezogen werden. Ideal für Oberschenkelstrümpfe und Strumpfhosen.
  • Applikator für Strumpfhosen: Spezielle Vorrichtung zum einfachen Anlegen von Kompressionsstrumpfhosen.

Lassen Sie sich im Sanitätshaus zu den für Sie geeigneten Hilfsmitteln beraten.

Material und Pflege: So halten Ihre Strümpfe länger

Moderne Kompressionsstrümpfe bestehen aus hochelastischen, atmungsaktiven und hautfreundlichen Materialmischungen wie Mikrofaser, Polyamid und Elasthan. Diese Materialien sind langlebig, formstabil und gewährleisten den notwendigen Druck über viele Stunden. Reine Baumwolle wird aufgrund mangelnder Formstabilität und Elastizität nicht verwendet.

Pflegetipps für maximale Haltbarkeit (6 Monate und länger):

  • Waschen: Täglich nach dem Tragen bei max. 40°C. Entweder schonende Handwäsche oder Maschinenwäsche im Feinwäscheprogramm (in einem Wäschesäckchen).
  • Reinigungsmittel: Verwenden Sie milde, flüssige Waschmittel ohne Weichspüler, Bleichmittel oder Enzyme. Diese können die Fasern angreifen.
  • Trocknen: Strümpfe niemals im Wäschetrockner, auf der Heizung oder in der prallen Sonne trocknen. Legen Sie sie flach auf ein Handtuch und lassen Sie sie an der Luft trocknen.
  • Lagern: Bewahren Sie die Strümpfe nicht gefaltet oder gerollt, sondern locker liegend auf.

Die Kompressionswirkung lässt mit der Zeit nach. Daher sollten medizinische Kompressionsstrümpfe in der Regel alle 6 Monate ersetzt werden. Bei intensivem Gebrauch oder sichtbaren Beschädigungen (Laufmaschen, ausgeleierte Passform) auch früher.

Kosten und Krankenkasse: Das müssen Sie wissen

Medizinische Kompressionsstrümpfe sind verordnungsfähige Hilfsmittel. Bei medizinischer Notwendigkeit übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten in Höhe der Festbeträge. Sie benötigen eine ärztliche Verordnung (Rezept). Auf diesem Rezept vermerkt der Arzt die Diagnose, die Kompressionsklasse (CCL), die Strumpfart (z.B. Kniestrumpf, Oberschenkelstrumpf, Strumpfhose) und ggf. Sonderanfertigungen. Mit dieser Verordnung gehen Sie zum Sanitätshaus. Dort erfolgt die Vermessung, Bestellung und Anprobe. Für die Strümpfe zahlen Sie in der Regel eine gesetzliche Zuzahlung (10% der Kosten, mindestens 5€ und maximal 10€ pro Stück) sowie eventuell einen Rezeptierungsbeitrag. Bei privat Versicherten richtet sich die Erstattung nach den jeweiligen Tarifbedingungen.

Thrombosestrümpfe und Bewegung: Eine wichtige Partnerschaft

Ein häufiger Irrglaube ist, dass Kompressionsstrümpfe Bewegung überflüssig machen. Das Gegenteil ist der Fall: Sie sind eine Unterstützung, kein Ersatz. Die Muskelpumpe – also die Kontraktion der Wadenmuskulatur beim Gehen – bleibt der wichtigste Motor für den venösen Rückstrom. Die Strümpfe unterstützen diese Pumpe, indem sie die Venenwände stabilisieren und so den Blutfluss in Richtung Herz kanalisieren. Regelmäßige Bewegung wie Gehen, Schwimmen, Radfahren und spezielle Venengymnastik sind daher essentieller Bestandteil der Therapie.

FAQ: Häufige Fragen zu Thrombosestrümpfen

Kann ich die Strümpfe auch nachmittags anziehen, wenn meine Beine geschwollen sind?

Das ist nicht empfehlenswert. Der Strumpf soll das Anschwellen verhindern, nicht ein bereits bestehendes Ödem komprimieren. Das Anlegen ist dann sehr mühsam und der Sitz möglicherweise zu eng. Ziehen Sie die Strümpfe immer morgens an. Falls die Beine tagsüber stark anschwellen, lagern Sie sie für 10-15 Minuten hoch, bevor Sie die Strümpfe anlegen.

Wie lange muss ich die Strümpfe täglich tragen?

Die Strümpfe sollten in der Regel den ganzen Tag über getragen werden, solange Sie aktiv sind und die Beine belasten. Sie werden abends vor dem Schlafengehen ausgezogen. Die genaue Tragezeit legt Ihr Arzt fest. In der Regel gilt: vom Aufstehen bis zum Zubettgehen.

Was mache ich, wenn der Strumpf juckt oder scheuert?

Juckreiz kann durch trockene Haut oder eine Materialunverträglichkeit entstehen. Verwenden Sie rückfettende, venenfreundliche Lotionen am Abend (nach dem Ausziehen) und lassen Sie sie vollständig einziehen. Tragen Sie niemals Creme unter dem Strumpf. Bei Scheuerstellen prüfen Sie die Passform. Eventuell sitzt der Strumpf nicht richtig oder ist beschädigt. Spezielle Unterziehstrümpfe aus Baumwolle oder Seide können Abhilfe schaffen.

Darf ich mit Kompressionsstrümpfen duschen oder baden?

Nein. Normale Kompressionsstrümpfe sind nicht für das Tragen im Wasser gedacht. Sie würden sich mit Wasser vollsaugen, ihre Kompressionswirkung verlieren und könnten die Haut aufweichen. Für die Wasser- und Balneotherapie gibt es spezielle wasserfeste Kompressionsmaterialien.

Kann ich mir die Strümpfe auch selbst im Internet bestellen?

Von einer Selbstdiagnose und -bestellung ist dringend abzuraten. Die falsche Kompressionsklasse oder Passform kann gesundheitsschädlich sein (z.B. bei unerkannter p AVK) oder einfach keine Wirkung zeigen. Die fachgerechte Vermessung und Beratung im Sanitätshaus ist unerlässlich für Sicherheit und Therapieerfolg. Online-Bestellungen sind nur sinnvoll, wenn Sie bereits vermessen sind und genau wissen, welches Modell und welche Größe Sie benötigen (z.B. für ein Ersatzpaar).

Was ist der Unterschied zwischen Rund- und Flachstrick?

Rundgestrickte Strümpfe sind die Standardvariante. Sie werden in

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Warenkorb

Schnelle Lieferung

Versand im ganzen Land innerhalb von 4–5 Werktagen

Einfache Rückgabe

Rückgabe innerhalb von 14 Tagen

Sichere Bezahlung

100% sichere Zahlungsabwicklung