Welche Dessous-Marken sind nicht mehr angesagt? Ein kritischer Blick auf den Wandel im Unterwäschemarkt

Welche Dessous-Marken sind nicht mehr angesagt? Ein kritischer Blick auf den Wandel im Unterwäschemarkt

Die Frage, welche Marken im Bereich Dessous und Unterwäsche „out“ oder „nicht mehr angesagt“ sind, ist komplex und lässt sich nicht pauschal beantworten. Trends in der Mode sind flüchtig, und was für die eine Zielgruppe als veraltet gilt, kann für eine andere nach wie vor der Inbegriff von Stil und Qualität sein. Dieser Artikel beleuchtet nicht die angebliche Bedeutungslosigkeit einzelner Marken – denn diese Behauptung wäre unseriös –, sondern vielmehr die dynamischen Veränderungen im Markt. Wir betrachten, welche Faktoren dazu führen, dass Marken an Relevanz für bestimmte Zielgruppen verlieren können, welche etablierten Player nach wie vor stark sind und wie Sie für sich persönlich die richtige Wahl treffen. Denn letztlich geht es nicht darum, blind Trends zu folgen, sondern Marken zu finden, die zu Ihrem Stil, Ihren Werten und Ihrem Komfortbedürfnis passen.

Der Wandel im Dessous-Markt: Warum Marken an Relevanz verlieren können

Keine etablierte Dessous-Marke ist per se „out“. Stattdessen durchläuft der gesamte Markt einen stetigen Wandel, getrieben durch veränderte Konsumgewohnheiten, neue Technologien und gesellschaftliche Werteverschiebungen. Marken, die nicht auf diese Veränderungen reagieren, riskieren, für bestimmte, besonders trendbewusste Kundengruppen an Attraktivität zu verlieren. Es handelt sich also selten um einen kompletten Absturz, sondern oft um eine langsame Verschiebung der Wahrnehmung.

Gründe für einen möglichen Relevanzverlust

Mehrere Faktoren können dazu führen, dass eine Marke nicht mehr als innovativ oder zukunftsweisend wahrgenommen wird:

Veraltetes Markenimage: Eine Marke, die über Jahre oder Jahrzehnte mit einem sehr spezifischen, vielleicht konservativen Image verbunden war, kann Schwierigkeiten haben, jüngere Generationen anzusprechen. Wenn das Marketing und die Ästhetik nicht modernisiert werden, wirkt die Marke auf neue Kundinnen oftmals „wie von früher“.

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Mangelnde Anpassung an neue Körperbilder und Diversität: Der moderne Dessous-Markt fordert Inklusivität. Marken, die nur eine begrenzte Größenvariante anbieten, kaum diverse Models in ihrer Werbung zeigen oder Schnitte an veraltete Silhouetten anpassen, verlieren den Anschluss an den gesellschaftlichen Diskurs und eine breite Käuferschicht.

Zu langsame Reaktion auf Nachhaltigkeitstrends: Immer mehr Verbraucherinnen legen Wert auf transparente Lieferketten, ökologische Materialien und faire Produktionsbedingungen. Marken, die hier keine klaren Strategien und Kommunikation vorweisen können, fallen bei dieser wachsenden Zielgruppe zurück.

Vernachlässigung des Digitalkanals: Der stationäre Handel bleibt wichtig, doch der Online-Handel und ein überzeugender digitaler Auftritt sind entscheidend. Eine veraltete Website, schlechte Produktbilder oder keine ansprechende Social-Media-Präsenz machen eine Marke für die digital-native Generation unsichtbar.

Innovationsstau bei Material und Komfort: Während sich der Markt mit neuen, atmungsaktiven, nahtlosen oder besonders stützenden Materialien weiterentwickelt, wirken Marken, die bei herkömmlichen Stoffen und Verarbeitungen verharren, schnell nicht mehr zeitgemäß.

Etablierte Marken: Kontinuität statt „Out-Sein“

Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass langjährig am Markt etablierte Marken automatisch „out“ seien. Im Gegenteil: Viele dieser Marken überleben durch ihre unbestrittene Expertise, hohe Qualitätsstandards und treue Stammkundschaft. Ihre Relevanz zeigt sich in Kontinuität und gezielter Evolution.

Beispiele etablierter und nach wie vor relevanter Marken

Triumph: Eine der bekanntesten Dessous-Marken weltweit. Triumph hat sein Image in den letzten Jahren massiv modernisiert, setzt auf diverse Kampagnen, innovative Technologien wie 3D-Scans für die Passform und erweitert sein Sortiment um loungewear. Die Marke ist alles andere als out, sondern hat sich erfolgreich neu erfunden.

Schiesser: Bekannt für hochwertige Baumwollunterwäsche und bodenständige Qualität. Schiesser bleibt für Kundinnen, die Wert auf natürliche Materialien, Langlebigkeit und klassischen Komfort legen, eine erste Adresse. Die Marke pflegt ein klares, unaufgeregtes Image.

Anita: Spezialistin für Büstenhalter in großen Größen und für die postoperative Versorgung. Durch diese starke Spezialisierung und anerkannte Expertise behält Anita eine unverzichtbare Marktposition und ist für ihre Zielgruppe absolut „in“.

Wolford: Das Synonym für hochwertige Strumpfhosen und Bodys. Wolford steht für Luxus, exzellente Verarbeitung und ein zeitloses, erotisches Ästhetikverständnis. Die Marke bedient eine Nische im Premiumsegment und bleibt hier tonangebend.

Mey: Eine traditionsreiche Marke, die sich auf figurbetonende Miederware und Korsetts spezialisiert hat. Auch hier sichert die Spezialisierung und handwerkliche Qualität eine dauerhafte Relevanz für eine spezifische Kundschaft.

Palmers: Ein österreichischer Klassiker, der ein breites Sortiment von preisbewusster Unterwäsche bis hin zu Brautmode anbietet. Durch ständige Kollektionswechsel und Präsenz im mittleren Preissegment bleibt Palmers für viele Haushalte eine vertraute Wahl.

Aufsteigende und trendprägende Marken: Was ist gerade „in“?

Parallel zu den etablierten Giganten haben sich neue Marken und Konzepte etabliert, die den Markt beleben und neue Trends setzen. Sie sind oft „in“, weil sie aktuelle gesellschaftliche Bedürfnisse direkt ansprechen.

Marken mit starker Omnichannel-Präsenz

Hunkemöller: Die niederländische Kette hat den Markt mit einem klaren Konzept erobert: trendige, accessible Mode in eigenen Stores und online, mit starken Marketingkampagnen. Sie macht Dessous zu einem modischen Accessoire für ein junges Publikum.

Ulla Popken: Als Spezialistin für Mode in Übergrößen hat Ulla Popken nicht nur Oberbekleidung, sondern auch ein umfassendes Dessous-Sortiment aufgebaut. Die Marke füllt eine wichtige Lücke im Markt und genießt hohe Loyalität.

Direktvertriebs- und Online-Marken (Direct-to-Consumer)

Diese Marken umgehen den klassischen Handel und verkaufen direkt über ihren Online-Shop. Das erlaubt oft bessere Preise, direkteren Kundenkontakt und schnellere Reaktion auf Trends.

Beispiele: Zahlreiche, oft englischsprachige Marken wie Third Love (bekannt für den Halbgrößen-Fitting), Cuup oder Knix (für absorbierende Unterwäsche) haben mit innovativen Fitting-Tools, inklusiver Größenvielfalt und fokussiertem Sortiment international Aufsehen erregt. Im deutschsprachigen Raum folgen immer mehr Start-ups diesem Modell.

Marken mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Ethik

Dieser Bereich wächst rasant. „In“ sind Marken, die GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle, recycelte Materialien wie ECONYL®, faire Produktion und transparente Lieferketten in den Vordergrund stellen.

Beispiele im DACH-Raum: Hierzu zählen Marken wie Erlich Textil, Manomama, Armedangels (auch Basics) oder Lara Intimates. Sie sprechen die wachsende Gruppe der bewussten Konsumentinnen an, für die Ethik und Ökologie entscheidende Kaufkriterien sind.

Marken für spezifische Komfortbedürfnisse

„In“ sind Marken, die spezifische Probleme lösen. Dazu gehören:

Nahtlose Technologie: Marken, die BH und Slips aus nahtlos gestrickter Mikrofaser anbieten, die unsichtbar unter enger Kleidung tragen.

Sport-BHs: Der Bereich Activewear boomt. Spezialisierte Sportmarken, aber auch klassische Dessousmarken haben hier hochfunktionale, stylische Produkte im Angebot.

Wie Sie für sich persönlich die richtige Marke finden – eine praktische Anleitung

Statt sich von pauschalen „in/out“-Listen leiten zu lassen, sollten Sie eine Markenwahl treffen, die auf Ihren individuellen Prioritäten basiert.

Schritt 1: Definieren Sie Ihre persönlichen Kriterien

Fragen Sie sich: Was ist mir am wichtigsten?

  • Komfort & Passform: Brauche ich besonderen Halt, spezielle Größen (z.B. kleine Körbchen, großer Unterbrust)?
  • Material: Bevorzuge ich natürliche Materialien (Baumwolle, Seide) oder High-Tech-Fasern für Atmungsaktivität?
  • Stil & Ästhetik: Mag ich es klassisch-elegant, verspielt, minimalistisch, sexy oder praktisch?
  • Werte: Ist mir Nachhaltigkeit und faire Produktion wichtig? Bin ich bereit, dafür mehr zu zahlen?
  • Preis: Was ist mein Budget? Suche ich Investment-Stücke oder trendige Basics?

Schritt 2: Recherche und Informationsbeschaffung

Nutzen Sie Fachhändler: Ein guter Fachhändler vor Ort berät Sie kompetent zu Passform und Marken. Die dort geführten Marken sind oft eine Garantie für Qualität.

Lesen Sie detaillierte Bewertungen: Achten Sie auf Reviews, die mehr als nur „gefällt mir“ sagen. Bewertungen zu Langzeittragkomfort, Waschverhalten und tatsächlicher Passform (inkl. Körpergröße/Konfektionsgröße) sind Gold wert.

Folgen Sie Marken auf Social Media: Ein Blick auf den Instagram- oder Pinterest-Auftritt einer Marke verrät viel über ihr aktuelles Image, ihre Community und ihre Ästhetik.

Testen Sie Rückgaberechte: Nutzen Sie die Kulanz von Online-Händlern. Bestellen Sie mehrere Modelle und Größen einer vielversprechenden Marke zur Anprobe nach Hause.

Schritt 3: Die Probe aufs Exempel – der Mustertest

Eine Marke ist nur dann gut für Sie, wenn ihre Produkte für Sie funktionieren.

  • Tragekomfort über Stunden: Ein BH sollte nicht nach kurzer Zeit drücken oder scheuern.
  • Waschtest: Beobachten Sie, ob das Stück seine Form und Farbe nach mehreren Wäschen behält.
  • Alltagstauglichkeit: Ist der BH unter Ihrer typischen Kleidung unsichtbar? Hält der Sport-BH bei Bewegung?

Fazit: Die Frage nach „out“ ist die falsche Frage

Der deutsche Dessous-Markt ist vielfältig und lebendig. Anstatt sich zu fragen, welche Marken generell „out“ sind, sollten Sie sich fragen: „Welche Marke ist für mich im Moment die richtige?“ Die etablierten Marken wie Triumph, Schiesser oder Anita überzeugen durch Kontinuität, Qualität und erfolgreiche Anpassung. Neue, trendige Marken punkten mit Digitalisierung, Inklusivität und Nachhaltigkeit. Letztlich gibt es keine out-dateden Marken, sondern nur Marken, die nicht zu Ihren aktuellen Bedürfnissen passen. Nutzen Sie die große Auswahl, informieren Sie sich kritisch und wählen Sie bewusst – denn das beste Stück ist immer das, in dem Sie sich selbstbewusst, wohl und schön fühlen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist es wahr, dass bestimmte große Dessous-Marken insolvent sind und deshalb „out“?

Ja, es gab in den letzten Jahren Insolvenzen im Einzelhandel, die auch Dessous-Händler betrafen (z.B. die Insolvenz der Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, die viele Marken führte). Das bedeutet aber nicht, dass die dort vertriebenen Marken selbst „out“ oder bankrott sind. Oft sind es die Vertriebswege (stationäre Kaufhäuser), die unter Druck stehen, während die Marken selbst weiterproduzieren und online oder in Fachgeschäften erhältlich sind. Immer den konkreten Fall prüfen.

Wie erkenne ich, ob eine Marke wirklich nachhaltig produziert?

Achten Sie auf konkrete Zertifizierungen wie GOTS (Textilien), Fairtrade Cotton, OEKO-TEX® STANDARD 100 oder das Grüne Knopf-Siegel. Seriöse Marken legen ihre Produktionsbedingungen, verwendeten Materialien und Lieferketten offen auf ihrer Website dar. Vage Floskeln wie „umweltfreundlich“ oder „fair“ ohne weitere Erläuterungen sollten Sie skeptisch machen.

Ich trage eine spezielle Größe (sehr klein/ sehr groß). Welche Marken sind für mich „in“?

Für kleine Körbchen (AA-B) sind Marken wie Hunkemöller (eigene Linie), Calida oder spezialisierte Onlineshops eine gute Anlaufstelle. Im Bereich großer Körbchen (F+) gelten Anita, Triumph (größenvariante), Elomi oder Prima Donna als absolute Experten und sind für diese Zielgruppe unverändert hochrelevant und „in“. Ulla Popken ist wiederum die Adresse für Übergrößen bei Unterwäsche.

Warum finde ich viele der als „trendy“ beschriebenen Marken nicht im Kaufhaus?

Viele der neuen, digital-nativen Marken vertreiben ihre Ware ausschließlich oder primär online im Direktvertrieb (Direct-to-Consumer). Dieses Modell erlaubt ihnen, enger mit der Kundschaft zu interagieren, schneller auf Trends zu reagieren und oft preislich competitive zu sein. Das klassische Kaufhaus ist für sie kein prioritärer Vertriebskanal mehr.

Gibt es „uncool“ gewordene Dessous-Trends, die ich meiden sollte?

Trends kommen und gehen. Derzeit gelten übertrieben gepolsterte „Push-up“-BHs mit viel Glitzer und Spitze oft als etwas aus der Zeit gefallen. „In“ sind stattdessen natürlich wirkende Formen, weiche, ungepolsterte Cups, minimale Details und eine Betonung von Komfort und Authentizität. Aber auch hier gilt: Tragen Sie, was Ihnen gefällt und in dem Sie sich wohlfühlen. Ihr Komfort ist der wichtigste Trend.

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